Jazz Musik war, und ist auch heute noch, eine Domäne der akustischen Instrumente. Mit Ausnahme der elektrischen Gitarre und der elektronischen Keyboards (die ohne Verstärkung nicht hörbar wären) wird die elektrische Verstärkung nur eingesetzt um den Klang der akustischen Instrumente zu übertragen - und das auch nur dann, wenn unbedingt nötig (die meisten Spieler akustischer Instrumente stehen der Amplifizierung skeptisch gegenüber, da allzuoft der Klang ihrer Instrumente verfälscht wiedergegeben wird). Einige der speziellen Eigenschaften der elektrisch verstärkten Instrumente sind: Sie können über längere Strecken auf einem dynamisch höheren Niveau spielen. Durch die Verstärkung ist es möglich, musikalische Passagen, die sehr leise gespielt werden neben dynamisch intensiven Aussagen gleichberechtigt hörbar zu machen - und umgekehrt (das Gitarrensolo in "Grey Is Green" ist ein gutes Beispiel).

Die Möglichkeiten der Klangveränderung mit Hilfe elektronischer Effektgeräte und Pedale ist weitaus vielfältiger bei E-Instrumenten, als bei deren akustischen Verwandten. Eric´s Begleitung von Lito´s Pianosolo in "Grey Is Green" ist ein deutliches Beispiel, ebenso wie der Anfang von "Stowaway", wo Keyboardklänge den flächenartigen Charakter der Gitarrensounds verstärken. Elektrische verstärkte Instrumente haben eine grenzenlose Fähigkeit, mit solchen Klangfarben zu arbeiten (In "As You Wish" scheint sich der Sound der gesamten Band zu verändern, wenn statt des E-Piano Sounds ein Orgelsound erklingt). Die fremdartigen Synthesizerklänge in "The Way It Goes" verleihen dem Keyboardsolo einen surrealen Charakter.

Christof Griese und Niko Schäuble arbeiten seit 1982 zusammen, zumeist in aus akustischen Instrumenten bestehenden Ensembles. Electric Five nun ist ihr erstes "elektrisches" Projekt. Auf der vorliegenden CD spielen sie ihre eigens für dieses Ensemble konzipierten Kompositionen - zusammen mit einigen der besten Musikern aus Berlin:

Eric St. Laurent (Kanada) - Gitarre - der, mit einer für sein Alter aussergewöhnlichen emotionalen Tiefe spielt; Lito Tabora (Philippinen) - Keyboard - der mit exquisitem Einfühlungsvermögen und Sinn für musikalische Räume bezaubert; und Thomy Jordi (Schweiz), - Baß - dessen federhaftes und immer präzises Spiel die Band mühelos trägt.

Grey Is Green

Grau: der Schatten des Zweifels. Grün: die Farbe der Eifersucht.Vier gegen Fünf: zwei Rhythmen kreisen umeinander, treffen sich, entfernen sich voneinander und treffen sich erneut. Immer wieder, wie zwei tropfende Wasserhähne in der Nacht. Die Gitarre spielt ein sehnsuchtsvolles Solo. Das E-Piano schwebt über Klangwolken und das Saxophon wird von Gefühlen aufgewühlt. Abrupt reißt das Solo ab und wir sind am Ende unserer Reise, zurück in der Grauzone der Gefühle.

Hope You May

Das Saxophon spielt eine gefühlvolle Melodie während die Gitarre in einem kreisenden 7/8 Rhythmus stecken geblieben zu sein scheint. Die Basslinie ist eine eigenständige Melodie und die Taktwechsel (6/2, 8/2, 7/4) sind flüssig. Die harmonische Struktur ist absichtlich uneindeutig gehalten (wie in vielen meiner Kompositionen) und die Schlußtakte, vom E-Piano gespielt, lassen die Musik in der Luft hängen. Ich hoffe, ... es gefällt.

Stowaway

Jazzmusiker sind wie blinde Passagiere, versuchen ständig ohne Fahrkarte durchs Leben zu lavieren - fristen dabei aber ein äußerst spannendes, kommunikatives Dasein.

As You Wish

Die Weltuntergangsorgel quäkt und die Gitarre bellt zurück. Bass und Schlagzeug sind voller Unruhe und das Saxophon ist die einzige versöhnende Stimme in diesem Chaos. Warum schwebt mir das Bild einer Großküche vor Augen? "Ich wollte keine Ananas auf meiner Pizza!" "Das hätten Sie sagen sollen." "Bringen Sie mir eine Neue." "Wie Sie wollen."

Mind Spiral

da war doch noch was - ich mußte doch noch etwas Wichtiges erledigen - was war es nur? Die Frage bohrt sich in meinen Schädel und windet sich durch die Gedankengänge ...

The Hippest

Ich habe "The Hippest" 1992 in Montreal geschrieben und das Stück mehrere Male mit meiner Band "Life on Mars" gespielt. Einmal, es war ein kalter November-Abend, waren wir in Quebec, als der unvergessene Joe Pass zu unserem Konzert auftauchte. (Er verbrachte seinen Urlaub dort in der Nähe.) Ich bin natürlich unglaublich nervös gewesen... Doch Joe Pass blieb nicht nur bis zum Ende der Show, er kam danach auch zu uns rüber - und er meinte, daß "The Hippest" sein Lieblingsstück gewesen ist. Wie auch immer, das Stück basiert auf einem "Lick" mit verminderter Tonleiter, wie es John Coltrane manchmal gespielt hat. Ich habe es langsamer gespielt, mit Major-7-Akkorden harmonisiert und eine Art "Zawinul-Bridge" eingebaut, und das war´s. Ich mag die Art, wie es Thomy gespielt hat. Er hat ein großartiges Gefühl für solche Akkorde (wie eigentlich für alles andere auch!)

Roundabout

Satelliten im Weltall mit 1000 Meilen pro Minute, Autos im Kreisverkehr (manchmal ohne viel Hoffnung wieder herauszukommen) und die tanzenden Derwische - alle drehen sich im Kreis, schneller und schneller. (Nach ein paar Flaschen guten Rotweins tut mein Kopf dasselbe.)

The Way It Goes

Lacht die Gitarre uns aus? Und was haben diese merkwürdigen Weltallklänge zu bedeuten? Fernsehhelden verdienen Millionen wärend die wirklichen Helden ausgelacht werden. "Raumschiff Enterprise" und die "Mir" Raumstation. So spielt das Leben.

Blue Genes

ist der Blues der Außerirdischen; widmen möchte ich diese Komposition dem Pianisten Lito Tabora, in dessen Genen der Blues tief verankert ist.


Jazz music was and mostly still is the domain of acoustic instruments. With the exception of electric guitars and keyboards (which need to be amplified to be heard at all) amplification is only used to convey the acoustic sound of the instruments - and that, only when absolutely necessary. Most players of acoustic instruments dislike amplification, because it hardly ever results in a true representation of their sound. Some of the special characteristics of electric instruments are: They can sustain a higher dynamic level for longer periods of time. With the help of amplification passages that are played very softly can be heard next to dynamically strong ones and vice versa (the guitar solo in "Grey is Green" is a good example).

The range of manipulation of sound is far greater than in the case of acoustic instruments, using electronic effect processors and pedals. Take the way Eric accompanies Lito´s piano solo in "Grey is Green" for example, or listen to the beginning of "Stowaway" where the keyboard sounds enhance the pad-like quality of the guitar. Electric instruments also have a limitless ability to add colour to the music. The sound of the whole band seems to change when the keyboard uses an organ sound instead of the electric piano on "As You Wish". The strange synthesizer sounds in "The Way It Goes" lend the keyboard solo a very surreal quality.

Christof Griese and Niko Schäuble have been working together since 1982 in mostly acoustic type ensembles. This is their first "electric" project. On the present recording Christof and Niko team up with some of Berlin´s most respected musicians to play original compositions written especially for this ensemble: Eric St. Laurent (Canada) on guitar, playing with an emotional insight, rarely found amongst players of his age; Lito Tabora (Philipines) on keyboards whose exquisite touch and sense for space are a delight to hear, and Thomy Jordi (Switzerland), whose bubbly and always precise bass carries the band effortlessly.

Grey Is Green

Grey: The shade of doubt. Green: The colour of envy. Five over Four: Two patterns are cycling simultaneously, meeting then separating then meeting again. Over and over like two dripping taps in the night. The guitar plays a yearning solo. The electric piano hovers over a cloud of sounds and the saxophone is intensely emotional. Suddenly the solo ends and we are at the end of our journey feeling somewhat drained.

Hope You May

The saxophone gently states the melody while the guitar seems to be stuck insistently looping a 7/8 pattern. The bass line is a melody in itself and the metric changes are fluid (6/2, 8/2, 7/4). The harmonic structure is deliberately ambiguous (as in many of my compositions) and the closing statement played by the electric piano leaves the music hanging in the air. Hope you may... like it.

Stowaway

Jazz musicians are like stowaways. Without a ticket we travel through life, never sure where the journey will lead us to. An exciting if somewhat risky life.

As You Wish

The domesday organ yelps and the guitar barks in response. Drums and bass are restless and the saxophone is the only conciliatory voice in this funky mess. Why am I thinking of a restaurant kitchen during lunchtime? "I didn´t want pineapple on my pizza!" "You should have said so." "Bring me another one." "As you wish."

Mind Spiral

There was something I had to do. Somewhere I had to go. I can´t remember. I´m racking my brain, my thoughts are winding their way through one endless spiral to the next, searching.

The Hippest

I wrote "The Hippest" around '92 in Montreal and performed the piece on several occasions with my band "Life on Mars". On one cold november night we were playing in Quebec City and the late Joe Pass, who happened to be on holidays in the area, attended the concert. I was sweating bullets, needless to say... But not only did M. Pass stay until the end, he also came to chat with us at the end and said that "The Hippest" had been his favorite piece ! Anyway, the tune is based on a lick John Coltrane sometimes played, using the diminished scale. I slowed it down and harmonized it, using major 7th chords, and added a Zawinul- type bridge and that was that. I like the way Thomy played on it, he's got a great feel for those kinds of changes (and pretty much everything else too !)

Roundabout

Satellites in orbit at a thousand miles per minute, cars in a roundabout (sometimes seemingly unable to exit again) and whirling dervishes - all are circling faster and faster. A few bottles of red wine can have the same effect on my brain.

The Way It Goes

Is that guitar laughing at us? And what are those weird outer space sounds? Television heroes earn millions while real life heroes are laughed at. Star Trek versus the "Mir" space station. That´s the way it goes.

Blue Genes

is the Blues of the extraterrestrials; it is dedicated to Lito Tabora because he has the Blues deep in his genes!


Stowaway is dedicated to the crazy Fabio Biasio. Mind Spiral is dedicated to the great composer Udo Agnesens. Roundabout is dedicated to my lovely son Laszlo, who changed my live a lot.

Booking: KULTURTÄTER BÜRO • Thomas G´schrey • Postfach (Postbox) 420405 • D-12064 BERLIN phone+fax: ++49-(0)30-7863491 • e-mail: violintt.schrey@berlin.snafu.de • Rec. 5./6.7.1998 by Knut Jens at BIT Studio Berlin • 1-5/8 mixed 7./8.7.1998 by Knut Jens, Niko Schäuble, Christof Griese 6/7/9 mixed 7.9.1998 by Knut Jens, Eric St.Laurent, Christof Griese at BIT Studio • mastered by Christof Griese

All compositions published by BIT Musikverlag Berlin, Haynauer Str. 26, D-12249 Berlin • e-mail: bit-musikverlag@t-online.de • GEMA • LC 06375 • Best.Nr. 11176 • Contact: Christof Griese, Mörchinger Str. 43 B, D-14169 Berlin • Phone: ++49(0)30-8122262 • Fax:-81299162 Niko Schäuble, 10 Wellington Street, 3101 Kew, Australia • Phone/Fax: 0061-3-98527239 • e-mail: niko_schauble@bigpond.com • Christof Griese plays a King saxello from Emilio Lyons, Boston, a Selmer tenorsax serie III from Selmer Düsseldorf, Saxophone neck by Gloger Handkraft Berlin-Groningen

Woodwindservice: Mike Duchstein Saxophon Service • Coverart by Christof Griese (with coloured paper by Erwin Leber) • Layout by Biasio Design